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Geschwollene Lymphknoten unterm Kiefer

Von den Unterkiefer-Lymphknoten hat der Mensch zwischen drei und sechs Stück, die sich seitlich über der Unterkieferspeicheldrüse befinden. Gewöhnlich sind die Lymphknoten so klein, dass sie weder zu sehen noch zu tasten sind. Sie filtern die Lymphe der Wange, der Nase und des Augeninnenwinkels, der Lippen, des Gaumens, des Kiefers und teilweise der Zunge. Nach der Filterung fließt die Lymphe von den Unterkiefer-Lymphknoten weiter in die tiefen Halslymphknoten.

Ursachen für geschwollene Lymphknoten unterm Kiefer:

Erkältung
– Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose)
– Aphthen
Karies
– Infektionen im Einzugsgebiet (Mund-Rachen-Raum, Lippen, Wange, Augeninnenwinkel…)
– bösartige Erkrankungen (Metastasen, Lymphome)

Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) und andere Infektionen

Die häufigste Ursache für geschwollene Lymphknoten unterm Kiefer ist eine herkömmliche Erkältung. Viren wie Corona-, Rhino-, Influenza- und Parainfluenzaviren werden von den Abwehrzellen in den Lymphknoten als Eindringlinge erkannt und abgewehrt. Dazu vermehren sich die Immunzellen innerhalb des Lymphknotens rasant, was eine Vergrößerung der sonst wenige Millimeter langen Unterkiefer-Lymphknoten zur Folge hat. Die Lymphknoten unterm Kiefer werden als erbsengroße Knubbel tastbar und können je nach Menge des darüberliegenden Fettgewebes auch sichtbar werden. Durch eine Erkältung können neben den Unterkiefer-Lymphknoten auch weitere Lymphknoten des Kopf-Hals-Bereichs, zum Beispiel am Nacken oder oberhalb der Schlüsselbeine, anschwellen. Nach dem Ausheilen der Erkältung dauert es noch ein paar Tage bis Wochen, bis die Lymphknoten wieder so klein wie zuvor sind.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch als infektiöse Mononukleose bezeichnet, ist wie die Erkältung eine Virus-Infektion. Der Auslöser ist das Epstein-Barr-Virus, das zu den humanen Herpes-Viren gehört (HHV-4). Weltweit sind etwa 80 bis 95 % der über 30-Jährigen mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert. Da der Speichel Betroffener hochinfektiös ist, wird die Krankheit häufig über das Küssen übertragen und daher auch “kissing disease” (Kuss-Krankheit) genannt. Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es ein bis sieben Wochen nach der Infektion. Leitsymptome sind eine fieberhafte Angina tonsillaris mit weiß-grauen Belägen auf den Mandeln und eine ausgeprägte Lymphknotenschwellung am ganzen Körper. Vor allem die Lymphknoten unterm Kiefer, am Nacken und am Hals fallen auf, weil dort meistens wenig Fettgewebe über den Knoten liegt.

Zusätzlich vergrößert sich in der Hälfte der Fälle die Milz, die sozusagen ein riesiger Lymphknoten ist und der Blutmauser dient. Sehr selten kommt es vor, dass die Milz so stark anschwillt, dass sie aufreißt. Betroffene fühlen sich meistens über mehrere Wochen schlapp und schonen sich. Körperliche Schonung (aber keine Bettruhe) ist neben ausreichender Trinkmenge, Fiebersenkung und Schmerztherapie die wichtigste therapeutische Option.

Infektion im Mund-Rachen-Raum

Die Lymphknoten unterm Kiefer schwellen oft an, wenn im Mund Aphthen bestehen. Der Begriff “Aphthe” bedeutet Mundausschlag. Nach einem zunächst rötlichen Aussehen, erscheinen Aphthen als runde, weißlich schimmernde Kreise. Bei dem weißen Belag handelt es sich um Fibrin, das vom Körper zum Wundverschluss verwendet wird. Meistens sind Aphthen gutartig und entstehen durch eine Immunreaktion, hormonelle Schwankungen (vor allem abhängig vom Monatszyklus der Frau) oder werden durch Infektionen oder Verletzungen ausgelöst. Manche Menschen scheinen nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel (wie Nüsse, Zitrusfrüchte, glutenhaltige Lebensmittel) sowie durch Kontakt mit Konservierungsmitteln und Farbstoffen zu Aphthen zu neigen.

Wissenschaftlich bewiesen sind Nahrungsmittel als Auslöser jedoch nicht. Aphthen sind schmerzhaft, lassen sich aber gut durch enzymhaltige Zahnpasta oder Zahnpasta auf pflanzlicher Basis sowie durch Gurgellösungen behandeln. Nach dem Verschwinden der Aphthe, schwellen auch die Unterkiefer-Lymphknoten wieder ab.

Neben Aphthen können natürlich auch andere Infektionen im Mund-Rachen-Raum wie zum Beispiel Karies zur Schwellung der Lymphknoten unterm Kiefer führen.

Krebs und Metastasen

In den seltensten Fällen ist ein geschwollener Lymphknoten unterm Kiefer das Symptom einer Krebserkrankung. Es ist keine Seltenheit, dass die Lymphknoten-Schwellung im Rahmen von Infektionen und Entzündungen mehrere Wochen bis Monate bestehen bleibt. Allerdings ist es ratsam, den Lymphknoten im Verlauf zu beobachten. Bei einer deutlichen Wachstumstendenz, Schmerzlosigkeit, derber Verhärtung und mangelnder Verschieblichkeit im Gewebe könnte etwas Bösartiges dahinterstecken.
Ein Krebs kann von den Abwehrzellen ausgehen.

Es handelt sich dann um ein Lymphom (Lymphdrüsenkrebs). Im Bereich von Ober- und Unterkiefer kommt beispielsweise das Burkitt-Lymphom in seiner endemischen Form vor. Endemisch bedeutet, dass die Erkrankung innerhalb eines bestimmten Gebiets überzufällig häufig auftritt. Als Endemie-Gebiete gelten Äquatorialafrika und Südamerika, in Deutschland tritt es kaum auf.

Andererseits können sich Krebszellen auch in Lymphknoten absiedeln, sich dort vermehren und zur Bildung von einer Tochtergeschwulst (Metastase) führen. In Frage kommen zunächst Krebserkrankungen des nahen Einzugsgebietes, im Falle der Unterkiefer-Lymphknoten beispielsweise ein Hautkrebs im Bereich der Wange.

Lymphknoten unterm Kiefer schwellen am häufigsten im Rahmen einer Erkältung an. Die Schwellung ist harmlos und kann durchaus mehrere Wochen bis Monate bestehen bleiben, ohne bösartig zu sein. Eine bösartige Lymphknotenschwellung ist vergleichsweise sehr selten, schmerzlos, schlecht im Gewebe verschieblich, tastet sich derb und zeigt eine Wachstumstendenz.

Quellen:

MIAMED Amboss Klinik Arzt-Modus (kostenpflichtiger Arzt-Zugang). Stichworte: Leitungsbahnen der Kopf-Hals-Region, Lymphknoten, Non-Hodgkin-Lymphom, Epstein-Barr-Virus

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Gray602.png; zuletzt aufgerufen am 08.03.19

https://www.stada.de/service-gesundheit/stadapedia-lexikon/l/lymphknoten-geschwollen.html; zuletzt aufgerufen am 08.03.19


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