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Poliovirus

Poliovirus

Das Poliovirus war früher weltweit verbreitet, heutzutage finden sich Infektionen mit diesem Virus hauptsächlich in Asien und Afrika. Durch Impfungen gelang es, das Virus in vielen Ländern vollständig auszurotten. Allerdings treten immer wieder vereinzelt Fälle von Poliovirus-Infektionen auf, die letzten Fälle in Europa wurden 2010 berichtet. Eine symptomatische Therapie ist nicht verfügbar. Daher ist der Impfschutz nach wie vor für alle empfohlen.

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Das Poliovirus, das in drei verschiedenen Varianten vorkommt, kann die Kinderlähmung, als Poliomyelitis bezeichnet, hervorrufen. Das Virus wird üblicherweise über kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen. Danach vermehren sich die Viren im Magen-Darm-Trakt, treten von hier aus in die Blutbahn über und befallen danach die Nervenzellen des Rückenmarks. Aufgrund des gezielten Ansteuerns der Nervenzellen werden Polioviren auch als neurotrope Viren bezeichnet. Im Rückenmark können die Viren die Nervenzellen, die für die Muskelbewegung benötigt werden (Motoneurone), zerstören. In der Folge sind die abhängigen Muskeln schlaff gelähmt.

Die fünf Erkrankungen durch Polioviren

– Asymptomatische Poliomyelitis: über 90 % der Fälle

– Abortive Poliomyelitis: vier bis acht Prozent der Fälle

– Aseptische Meningitis: zwei bis vier Prozent der Fälle

– Paralytische Poliomyelitis: 0,1 bis ein Prozent der Fälle

– Post-Poliomyelitis-Syndrom: etwa 50 % der Fälle

Asymptomatische Poliomyelitis

Meistens verursacht das Poliovirus überhaupt keine Beschwerden. Der Infizierte bildet passende Antikörper, ohne es zu wissen. Allerdings schützen diese Antikörper nicht davor, doch noch an Poliomyelitis zu erkranken! Da es drei verschiedene Serotypen des Virus gibt, ist eine Infektion mit den anderen beiden Typen immer noch möglich.

Abortive Poliomyelitis

Etwa eine Woche nach der Infektion kommt es bei der abortiven Poliomyelitis zu Symptomen, die denen bei einer Erkältung oder einer Magen-Darm-Grippe ähneln. Ein bis drei Tage lang leiden Betroffene an Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen, haben Fieber und beklagen Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen. Danach kann die Infektion ohne Folge ausheilen oder in die aseptische Meningitis oder die paralytische Poliomyelitis übergehen.

Aseptische Meningitis

Nachdem die Beschwerden der abortiven Poliomyelitis abgeklungen sind, sind Betroffene drei bis sieben Tage beschwerdefrei. Danach steigt plötzlich das Fieber an und es kommt zur Nackensteifigkeit. Betroffene haben Schmerzen, wenn sie das Kinn auf die Brust zu legen versuchen. Typisch sind Schmerzen im Rücken und Muskelzuckungen sowie eine Kraftlosigkeit der Halsmuskeln. Beim Aufsetzen fällt der Kopf dadurch zurück, was als “Head-Drop”-Zeichen bezeichnet wird. An die aseptische Meningitis kann sich die paralytische Poliomyelitis nach kurzzeitiger Besserung anschließen.

Paralytische Poliomyelitis

Nachdem Betroffene sich zunächst besser fühlten, kommt es zum erneuten Fieberanstieg und starken Schmerzen im Rücken, im Nacken und in den Muskeln. Es dauert Stunden bis Tage, bis sich schlaffe Muskellähmungen entwickeln. Am häufigsten sind die Beine gelähmt. Gefährlich wird es, wenn das Zwerchfell gelähmt wird, weil dann die Atmung nicht ausreichend möglich ist. Außerdem können Nervenzellen des Gehirns zerstört werden (bulbäre Form mit Hirnstammbeteiligung), was oft tödlich endet.

Im weiteren Verlauf bilden sich die Lähmungen über Jahre teilweise zurück.

Post-Poliomyelitis-Syndrom

Etwa zehn bis 30 Jahre nach einer Infektion mit dem Poliovirus können Betroffene ein Post-Poliomyelitis-Syndrom entwickeln. Es kommt zu einer Abnahme der Muskelmasse, vermehrter Müdigkeit und leichter Ermüdbarkeit, Muskelschmerzen und Lähmungen. Die Beschwerden werden mit der Zeit stetig schlimmer, die Lähmungen betreffen immer mehr Muskeln.

Wie lange sind mit dem Poliovirus Infizierte ansteckend?

Die Übertragung über Speichel-Tröpfchen von Mensch zu Mensch ist sehr selten. Das Poliovirus wird vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Infizierte scheiden sechs Wochen lang, kurz nach der Infektion große Mengen an Polioviren mit dem Stuhl aus. Daher ist eine gründliche Toilettenhygiene unbedingt erforderlich, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Impfung – die beste Prävention

Gegen die Kinderlähmung gibt es kein Heilmittel. Darum kommt der Impfung eine sehr große Bedeutung zu. Nach den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts) erfolgt die Impfung gegen Polioviren im Rahmen der Grundimmunisierung. Die Grundimmunisierung besteht aus sechs kombinierten Impfungen mit Totimpfstoffen. Sie soll vor Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ B (Hib), Hepatitis B und Poliomyelitis schützen. Von diesem kombinierten Impfstoff erhalten Kinder innerhalb des ersten Lebensjahres vier Dosen: im Alter von zwei, drei, vier und elf bis vierzehn Monaten. Im Alter von neun bis sechszehn Jahren ist eine einmalige Auffrischung der Impfung erforderlich.

Falls eine Impfung vergessen wurde, sollte sie mit einem Impfstoff nachgeholt werden, der sich ein wenig von dem Kombinationsimpfstoff unterscheidet. Dieser nennt sich IPV (inaktivierte Poliovakzine) oder monovalenter Totimpfstoff nach Salk und es handelt sich um abgetötete (und darum völlig harmlose!) Polioviren. Zur Nachholimpfung sind drei Dosen IPV notwendig, die im Abstand von mehreren Wochen verabreicht werden müssen.

Auch wenn das Poliovirus in den meisten Fällen zunächst harmlos ist, bleiben die paralytische Poliomyelitis mit schweren Muskellähmungen und die Folgeerkrankung, das Post-Polio-Syndrom, gefürchtet. Da es keinerlei Heilungsmöglichkeiten gibt, ist die Impfung unbedingt zu empfehlen. Eine flächendeckende Impfung kann dazu beitragen, die Polioviren vollständig auszurotten.

Quellen:

MIAMED Amboss Klinik Arzt-Modus (kostenpflichtiger Arzt-Zugang). Stichworte: Poliovirus, Poliomyelitis; zuletzt aufgerufen am 05.01.19

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/kinderlaehmung-poliomyelitis/uebertragung/; zuletzt aufgerufen am 05.01.19

https://de.wikipedia.org/wiki/Poliovirus; zuletzt aufgerufen am 05.01.19

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